Ein Notarzt sollte den Führerschein abgeben - weil er bei einem Rettungseinsatz angeblich rücksichtslos raste. Die Entscheidung hatte einen Sturm der Empörung ausgelöst - jetzt gibt es eine Wende. Der Strafbefehl wegen Gefährdung des Straßenverkehrs sei aufgehoben worden, da der von der Polizeiinspektion Neuburg an der Donau aufgenommene Sachverhalt eine Verurteilung wegen Straßenverkehrsgefährdung nicht erwarten lasse, sagte am 09.02.2015 der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft München, Georg Freutsmiedl.

Notarzt raste zu erstickendem Kleinkind

Der Notarzt Alexander Hatz war mit Blaulicht und Martinshorn auf dem Weg zu einem zweijährigen Mädchen, das Schnellkleber verschluckt hatte und zu ersticken drohte. Auf der Fahrt überholte der Notarzt mehrere Autos. Ein Autofahrer und ein Zeuge zeigten ihn an. Daraufhin erhielt er einen Strafbefehl über 4.500 Euro wegen Verkehrsgefährdung. Außerdem sollte er sechs Monate lang seinen Führerschein abgeben.

Auf Strafbefehl folgte großes Medienecho

Der Fall hatte viel Empörung ausgelöst. Bis zum Mittag des 09.02.2015 unterzeichneten mehr als 200.000 Menschen eine Online-Petition, in der ein «Freispruch» für den Mediziner gefordert wurde. Freutsmiedl räumte ein, dass sich die Generalstaatsanwaltschaft auch aufgrund des großen Medienechos mit dem Fall befasst habe. Die Entscheidung zur Aufhebung des Strafbefehls habe der Generalstaatsanwalt gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Ingolstadt getroffen. Maßgeblich sei die Schilderung der Einsatzfahrt durch den Notarzt selbst gewesen - und die sei erst einen Tag nach Erlass des Strafbefehls bei Gericht eingegangen.

Verteidiger: Richtige Entscheidung der Staatsanwaltschaft

Der Notarzt und seine Verteidiger nahmen die Nachricht mit Genugtuung auf. «Das ist zweifelsfrei die richtige Entscheidung der Staatsanwaltschaft», sagte Rechtsanwalt Florian Englert. Der Strafbefehl sei «nicht ansatzweise haltbar» gewesen, betonte auch sein Kollege Günther Schalk. «Wer auf dem Weg zu einem erstickenden Kind ist, fährt per se nicht rücksichtslos, um seines eigenen Fortkommens willen».

 

Quelle: beck-aktuell-Redaktion, Verlag C.H. Beck (dpa).

Strafbefehl gegen rasenden Notarzt aufgehoben

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